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Die Goor – ein Waldparadies auf Rügen

Wie durch ein Wunder blieb in der Ackerlandschaft an der Südküste der Insel Rügen ein alter Laubwald erhalten – die Goor. Seine Ursprünglichkeit verdankt er dem 1817 errichteten Badehaus des Fürsten Malte zu Putbus. Die fürstliche Nutzung bewahrte den Wald vor größeren Eingriffen. Viele Künstler ließen sich von der umliegenden Landschaft inspirieren. Zu ihnen zählt der Maler Caspar David Friedrich.

Ein Wald am Meer: die Goor (Bild: K. Gräf)

Heute begegnet man hier einem Hochwald mit beeindruckenden Bäumen. Seit 1990 steht er unter Naturschutz und ist Bestandteil des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Unsere Partnerorganisation, die renommierte Michael Succow Stiftung hat im Jahr 2004 einen großen Teil der Goor übernommen. Doch dieses Paradies ist nur dann auf Dauer sicher, wenn es uns gelingt, die vielen privaten Splittergrundstücke für den Naturschutz zu erwerben. Sonst sind Störungen vorprogrammiert.

Das große Ziel ist es, die Goor als ursprüngliches, zusammenhängendes Waldgebiet von 90 Hektar auf Dauer der Nachwelt zu erhalten. Um insgesamt 30 Hektar private Splittergrundstücke zu kaufen, braucht die Stiftung etwa 45.000 Euro.

Bedrohter Platz für Seeadler und Zwergschnäpper

Der Waldkauz brütet in der Goor. (Bild: J. Resch)

Der Name Goor ist slawischen Ursprungs und bedeutet Berg. Obwohl der Moränenhügel nur knapp 35 m hoch ist, wurde er in waldarmer Umgebung als Berg empfunden. Die Moräne ist mit Sand und Steinen bedeckt, in zwei Senken haben sich Kesselmoore entwickelt. In der Bronzezeit errichteten Bauern hier mehr als 20 Hügelgräber. Die Goor lieferte Brennholz, Bauholz und diente für Jahrhunderte als Hüteland. Inzwischen entwickelt sich die Buche zur dominierenden Baumart.

Der alte Laubwald und seine Baumhöhlen sind Lebensraum des Schwarzspechts sowie des in Deutschland seltenen Zwergfliegenschnäppers. Hier horsten Habicht und Waldkauz. Besonders vogelreich ist der Küstenwald zu den Zugzeiten. Tausende von Singvögeln besiedeln dann den Wald. Vogelkirschen, die mit beeindruckenden Baumgestalten den Wald zieren, bedingen einen bemerkenswerten Brutbestand des Kernbeißers. Auch Botaniker geraten ins Staunen: Am GEO-Tag der Artenvielfalt 2002 stellten sie über 50 Moosarten fest, darunter eine Art, die ausschließlich in Mecklenburg heimisch ist.

An der Boddenküste sind in der Winterzeit Sing- und Höckerschwan, Gänsesäger und Schellente und manch andere Entenarten zu beobachten.  Ab und zu ist eine Kegelrobbe zu erspähen, die sich auf einem der Findlinge im flachen Wasser vor dem kleinen Kliff zum Ausruhen ausgestreckt hat. Vor der Küste gibt es gelegentlich größere Bestände an Schweinswalen. Auch der Seeadler, der auf der Insel Vilm horstet, ist hier auf Nahrungssuche.

Ein „Urwald“ an der Ostsee

Seit 2004 betreut die Michael Succow Stiftung den größten Teil des Waldes. In einer Übergangsphase werden standortfremde Gehölze entnommen. Anschließend wird die Goor der Eigenentwicklung überlassen. Nur ein Wanderweg wird sie erschließen, mit großartigen Ausblicken auf die Insel Vilm und den Greifswalder Bodden. Ein werdender Urwald an einer naturnahen Küste wird jeden Besucher, der sich ihm in Andacht nähert, immer wieder aufs Neue faszinieren.

Die Goor wandelt sich mit menschlicher Hilfe vom Kulturwald zum „Urwald“. Wir wirken daran mit, dieses Naturdenkmal dauerhaft zu sichern.